Ich hab mir mal wieder so ein paar Gedanken gemacht, weil ich gerade in der letzten Zeit häufiger wieder bei "Hundekollegen" die Aussagen gehört habe:

Der Hund will Dich kontrolliern - der ist dominant - der muss aber besser hören, wenn Du jetzt nicht gegensteuerst, dann wird das schlimm enden usw.

Wohlgemerkt, es ging nicht um meine Hunde - sondern um Hunde von Bekannten die vermeintlich Probleme haben.

Schon vor einiger Zeit habe ich damit aufgehört, meine Hunde nach "Schema F" oder überhaupt zu erziehen - und wir leben sehr gut damit.

Jeder Hundetrainer sagt - wenn du deinen Hund belohnst, weil er zu dir kommt (nicht wenn du rufst, sondern einfach so), dann erzieht dich dein Hund. Ist das wirklich so ...?

Meine Erfahrung - seit ich meine Hunde belohne, wenn sie beim spazieren gehen von selbst kommen, schauen die viel häufiger nach mir, sind aufmerksamer und sagen einfach mal "Hallo".

Manchmal gibt es ein Leckerchen, manchmal sprech ich einfach nur mit ihnen, manchmal ein streicheln - die Hunde freuen sich und ziehen wieder ab.

Und das läßt sich auf viele Situationen übertragen.

Jeder Hund ist einzigartig, und hat besondere Fähigkeiten. Ich bin dazu übergegangen diese zu nutzen, zu stärken und wir alle haben Spass dran, wir sind relaxter im Umgang, haben viel Spass zusammen.

Fehler, oder das was wir Menschen gerne als solche bezeichnen, ignorieren wir - und gut ist.

Fange ich mal mit Pino an - er ist sehr verantwortungsvoll, und hat gerne seine Ordnung. Wenn Spielsachen im Garten verstreut sind, dann bringt er sie mit rein. Er freut sich, wenn er dann gelobt wird, fühlt sich bestätigt und ist richtig stolz.


Naddi, die Chefin hält alles im Auge, hilft bei der Erziehung und freut sich, wenn ich sie lobe, weil sie das soviel besser kann als ich.


Kalle unser kleiner Zwerg hat sich zum Hausmeister hochgearbeitet. Irgendwann fing er an bevor wir abends ins Bett gehen alle Türen zu kontrollieren. Inzwischen macht er einen kompletten Rundgang durchs Haus und wenn ich ihm dann, wenn er endlich im Schlafzimmer angekommen ist sage: das hast Du gut gemacht, dann wackelt der ganze kleine Kerl vor Stolz.


Momo ist weltbester Wecker ... sie schicke ich immer meinen Menne wecken, und sie macht das toll, voller Begeisterung und freut sich ein Loch in den Bauch wenn man ihr das sagt. Außerdem ist sie Azubi bei Pino und lernt aufräumen, und manchmal begleitet sie Kalle auf seinen Rundgängen.


Alle 4 freuen sich wie blöd, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, sie lobe weil sie so brav waren und ihnen sage, wie toll sie sind, und wie stolz ich auf sie bin. Dann überschlagen sie sich fast, platzen fast vor Stolz.

Und es gibt immer noch Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass Hunde nur "sitz und platz" verstehen, keine Gefühle haben, eben nur Befehlsempfänger sind. Diesen Menschen entgeht unheimlich viel, sie wissen es nur nicht.

Oft hört man den Spruch - Hunde sind toll, die lieben mich so wie ich bin, da brauch ich nicht geschminkt sein, muss mich nicht verstellen....

Warum können wir das nicht auch, unsere Hunde so lieben wie sie sind, so annehmen mit ihren verschiedenen Charaktereigenschaften? Das bereichert das Zusammenleben mit ihnen ganz enorm.

Gerti Schmidt, Februar 2012


Erziehung - warum oder besser warum und wie nicht!

Hundeerziehung, ein sehr spezielles Thema, und von vielen Vorurteilen beladen. Es gibt unterschiedliche Richtungen, Methoden, und jede ist natürlcih die einzig Wahre.

Lange bin ich auch auf viele Dinge reingefallen, habe dies und das mitgemacht, das muss ja was bringen! Mein Bücherregal ist voller schlauer Hundebücher, die mich im besten Fall zum Lachen gebracht haben, manchmal zum Nachdenken, manchmal haben sie mich verunsichert, aber oft einfach nur wütend gemacht.

Sprühhalsband gegen Jagdtrieb (von mehreren Einzeltrainern für unseren Pino empfohlen - hat erreicht, dass Pino mit gesenktem Kopf und eingezogenem Schwanz neben mir herlief - keine Option für uns)

Halti wenn der Hund zieht (von Einzeltrainerin für unsere Naddi empfohlen, 3 mal benutzt, dann eingemottet)

Clickertraining, das Non plus Ultra - Pino hat Angst davor, Naddi interessiert es nicht, Kalle weiß nicht was das soll, und Momo will wenn sie das Geräusch hört halt ihr Leckerchen - bringt uns nicht wirklich voran.

Bei 4 Hunden die zu unserer Familie gehören habe ich eines gelernt - jeder Hund ist anders, will anders geführt und behandelt werden.

ES GIBT KEINE METHODE DIE FÜR JEDEN HUND GUT IST!!!

Ich war mit allen Hunden in der Hundeschule, habe verschiedene ausprobiert, und immer wieder festgestellt - für uns ist das nichts. Der einzige Grund, warum ich gerade mit den Welpen hingegangen bin - sie sollten spielerisch andere Hunde kennenlernen.

Ich verabscheue den Drill der, wenn er auch manchmal sanft daher kommt, doch in den meisten Hundeschulen vorherrscht. Alle Hunde müssen auf die gleichen Kommandos gleich reagieren. Da wird keine Rücksicht auf die verschiedenen Rasseeigenschaften genommen. Da wird auch nicht geschaut wie der Hund gerade so drauf ist - nicht alle Tage sind gleich, nicht bei uns und auch nicht bei unseren Hunden.

Irgendwann habe ich angefangen auf meine Bauch und mein Gefühl zu hören wie ich das damals bei der Kindererziehung auch gemacht habe. Habe aufgehört verkrampft alles ausprobieren zu wollen, was gerade so in ist und habe gemerkt, der Umgang mit meinen Hunden wurde viel natürlicher, entkrampfter, entspannter und einfach viel schöner und leichter.

Bei uns zu Hause ist es so - Pino reagiert auf das leiseste Zeichen von mir, manchmal genügt eine Bewegung oder ein Blick. Laute Worte braucht es nicht - und verträgt er auch nicht. Da kriegt er Angst und ist nicht mehr aufnahmefähig. Ansonsten ist er weltbester Zuhörer, sehr sensibel und will immer alles richtig machen. Da passt auch der Jagdtrieb ins Bild, denn dafür wurde seine Rasse ja schließlich gezüchtet.

Naddi braucht schonmal ne klare Ansage - sie ist Chefin vom Rudel, das ist o.k., aber nicht meine.... grins. Sie hat viele Hütehundgene die ihr als Chefin sehr zugute kommen. Aber sie ist sehr souverän, ausgeglichen und greift nur dann ein, wenn es wirklich nötig ist (d.h. im Klartext, ich habe es verpennt). Sie ist nicht der Hund der mir alles Recht machen will, sondern sie macht das was sie für richtig hält - aber das ist es ja, was den Tibetterrier (und da hat sie ganz viel von) ausmacht. Diese wurden für das selbstständige Arbeiten gezüchtet und nicht als Befehlsempfänger.  

Wenn sie schmusen will, ist sie rücksichtslos und drängt sich einfach auf. Auch gut, ich kann damit leben - und wenn ich gar nicht will oder keine Zeit habe, dann akzeptiert sie dieses auch.

Kalle hat sich zu einem kleinen Kontrollfreak entwickelt. Abends macht er immer ne Runde durchs Haus und kontrolliert ob alles o.k. ist, vorher kann er nicht ins Bett gehen.

Beim Lernen ist Kalle etwas langsamer als die anderen, wenn aber was sitzt, dann sitzt es auch. Er ist eifrig, bemüht, immer freundlich, aufgeregt bei allem Neuen, zeigt auch jede ungewohnte Bewegung oder jedes ungewohnte Geräusch im Garten sofort an, aber läßt sich gut ablenken und abrufen. Er hat immer Angst uns zu verlieren, und würde sich nie weit von uns entfernen. Mit Strenge erreicht man bei Kalle gar nichts, dann ist er total verunsichert und versteht gar nichts mehr.  Kalle ist auch unser Langschläfer, am liebsten liegt er bis Mittag im Bett - welche rassespezifische Eigenschaft das nun ist, weiß ich nicht genau, ich denke das hat er einfach bei Bernd "abgeguckt", es hat ihm gefallen und gut ist.

Ja unsere Momo, ein Tibet Terrier wie er im Buche steht, eigensinnig, selbstständig und halt unser Baby. Sie ist fröhlich, unbedarft, unbekümmert, geht auf alles locker und freudig zu. Hört wenn sie will, nicht unbedingt wenn ich will. Auch hier sind klare Ansagen ab und an von nöten. Aber sie macht freudig alles mit (auch unangenehmes wie Zahnspange, Trichter tragen, Halskrause tragen, Body tragen)  - ist sehr anhänglich und lieb.

Außerdem ist sie der einzige meiner Hunde, der spricht. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, dann "schimpft" sie in allen Tonlagen, ich höre richtig wie sie sagt - wo warst Du so lange, wo kommst Du jetzt erst her...? Sie ist am glücklichsten, wenn wir alle zusammen sind und keiner fehlt. Viel mehr läßt sich eigentlich über die Maus noch nicht sagen, sie ist ja erst 11 Monate alt.

Unsere Hunde dürfen ins Bett, aufs Sofa, überall hin wo wir auch sind. Sie rücken zur Seite wenns sonst zu eng wird.

Sie dürfen nicht vom Tisch klauen, keine wichtigen Sachen zerfetzen, keine Regale ausräumen. Das sind die einzigen Tabus die mir einfallen. (Natürlich auch nicht beißen, aber das ist ja selbstverständlich, oder?)

Manche Dinge muss man dem einen Hund einmal sagen, dem anderen häufiger - ist halt nicht anders als bei uns. Kalle hat 2 Jahre gebraucht, bis er das mit den Sachen zerfetzen gelernt hat, mal sehen wie lange Momo braucht. Obwohl es bei ihr eh nicht so stark ausgeprägt ist wie bei Kalle. Bisher beschränkt sie sich auf alte Zeitungen, den Papierkorb ausräumen, und schomal die Verbandwatte im Zimmer verteilen.

Ich werde nicht die Zimmer umräumen und alles ausser Reichweite bringen, dann haben die Hunde ja keine Chance zu lernen, dass gewisse Dinge Tabu sind. Mit kleineren Schäden kann ich leben - und große gab es bisher Gott sei Dank nicht zu beklagen.

Manchmal müssen Dinge aufgefrischt werden, weil sie in Vergessenheit geraten sind - wie bei uns Menschen auch.

Unsere Hunde gehören zur Familie, sind Lebewesen wie wir auch, und werden auch so behandelt.

Unsere Hunde hören keine Befehle, sondern Bitten, ganze Sätze, auch schon mal Entschuldigungen, sie hören ein Danke und vieles mehr.

Ich bin überzeugt davon, dass meine Hunde mich verstehen. Wenn ich mit ihnen spreche, dann schauen sie mich an - und hören zu. Und entgegen der Meinung vieler auch bekannter Hundetrainer glaube ich sehr wohl, dass sie wissen was ich meine und wie ich das meine - sie hören keinesfalls nur ein blablabla... Sie merken auch, wenn ich mal so gewohnheitsmäßig ein "nein" fallen lasse, wenn ich nicht bei der Sache bin, und ignorieren dies dann - völlig legitim in meinen Augen. (Haben meine Kinder übrigens auch gemacht). Sie kennen genau den Unterschied zwischen ernst gemeint, und einem vielleicht  - ist ja nicht so schlimm...!

Unsere Hunde machen immer ein Riesenspektakel wenn es klingelt und Besuch kommt - nun gut, ich kann damit leben - und unser Besuch bisher auch. (Falls jemand Angst vor Hunden hat, dann bringe ich die Hunde selbstverständlich in einen anderen Raum) Sie freuen sich, hüpfen und springen - warum soll ich ihnen die Freude nehmen? Sie schleppen Spielsachen an, jeder will zeigen was er hat, jeder will der erste sein, ganz wie ausgelassene und fröhliche Kinder. Welchen Grund gäbe es, ihnen das zu verbieten? Nur weil es ein Trainer "distanzlos" nennt, und es in vielen Hundeerziehungsbüchern so geschrieben steht? Kann ich nicht nachvollziehen.

Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter, seine Stärken und Schwächen, seine Vorlieben und Dinge die er nicht sooo gerne mag, und das ist doch das Spannende am Zusammenleben. Man muss sich nur darauf einlassen und nicht einen "perfekten" Hund haben wollen, dann wird jeder Hund perfekt zu seinem Menschen passen.

Wenn man das Abenteurer Hund nicht mit Herz und Verstand angeht, sondern nur nach Schema F - Erziehungsmethode Y dann sollte man sich besser ein Stofftier zulegen - das macht alles richtig, bellt nie wenn es nicht soll, macht nichts schmutzig und überhaupt....

Ich liebe unsere Hunde - jeden auf seine Weise, jeden so wie er ist - und ich bin überzeugt, jeder von ihnen liebt mich auf seine Art.

Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen etwas mehr Mut hätten, nicht nur auf die "Lehrmeister" hören, sondern auf ihr Herz und ihren Bauch. Dann würde nicht nur die Hundewelt ein bisschen schöner und freundlicher werden, sondern die Welt für uns alle.

Ein bisschen mehr Rücksicht, Achtsamkeit und Toleranz anderen Lebewesen gegenüber ist doch gar nicht so schwer - und bringt so viel mehr Lebensfreude für jeden von uns.



Ich bedanke mich bei meinen Hunden, die die besten Lehrmeister sind, und die einzigen die ich wirklich akzeptieren kann.

Gerti Schmidt, Sept. 2011




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